Die Geschichte eines Kneipers – 48 Jahre hinter dem Tresen

Ich möchte erzählen, wie alles begann und wie ich 48 Jahre meines Lebens als Wirt und Kneiper verbracht habe. Eine Zeit voller Begegnungen, Geschichten, Erfolge, Herausforderungen und unvergesslicher Erlebnisse.

Alles begann im Jahr 1977. Damals spielte ich Fußball in der Landesliga. Mit dem Gaststättengewerbe hatte ich eigentlich überhaupt nichts zu tun. Nach unseren Spielen trafen wir uns regelmäßig in unserer Vereinskneipe, dem Isenbecker, das von Günter Kiesel geführt wurde.

Eines Sonntagnachmittags kamen wir nach einem Spiel in die Kneipe, doch niemand stand hinter dem Tresen. Als ich nachsah, entdeckte ich Günter hinter der Theke liegend. Natürlich bekamen wir einen großen Schreck. Ich rief sofort den Krankenwagen. Schnell stellte sich heraus, dass er stark alkoholisiert war.

Der Hauseigentümer, Herr Borrhorst, hatte genug und kündigte an, ihn aus der Gaststätte zu entfernen. Spontan fragte ich, ob ich die Kneipe vorübergehend übernehmen könne. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich als Installateur auf dem Bau und spielte aktiv Fußball. Trotzdem bekam ich die Chance.

Ich ging zur Bank und nahm einen Kredit über 20.000 D-Mark auf. Mit diesem Geld renovierte und modernisierte ich die kleine Gaststätte. Am 1. Oktober 1977 eröffnete ich den Isenbecker unter meiner Leitung.

Die ersten zweieinhalb Jahre arbeitete ich weiterhin tagsüber auf dem Bau und führte zusätzlich die Kneipe. Irgendwann wurde die Belastung zu groß, und ich entschied mich, mich ganz auf die Gastronomie zu konzentrieren.

1980 übernahm ich zusätzlich den Werrekrug. Plötzlich führte ich zwei Gaststätten gleichzeitig. Besonders herausfordernd war die Küche, denn vom Kochen verstand ich damals überhaupt nichts. Mein erstes Schnitzel wurde pechschwarz. Doch mit der Zeit lernte ich dazu und wurde immer besser.

Den Isenbecker gab ich später wieder auf und konzentrierte mich auf den Werrekrug. 1982 eröffnete ich schließlich den legendären King’s Pub in Bad Salzuflen – einen der erfolgreichsten und schönsten Läden meiner Laufbahn.

Der King’s Pub wurde schnell zu einem Treffpunkt für viele Menschen. Bis heute treffen sich ehemalige Gäste und Freunde zweimal im Jahr zu den sogenannten „King’s-Pub-Legenden-Treffen“. Das erfüllt mich noch immer mit Stolz.

Nach fast zehn Jahren erfüllte ich mir einen weiteren Traum. 1987 kaufte ich ein altes Haus in der Innenstadt von Bad Salzuflen. Das Gebäude wurde komplett umgebaut und renoviert. 1989 eröffnete dort das „Anno 1571“.

Auch dort durfte ich viele wunderbare Menschen kennenlernen. Es entstanden Freundschaften, Geschichten und Erinnerungen, die mich bis heute begleiten. Gleichzeitig erlebte ich auch die traurigen Seiten des Lebens und musste von vielen Gästen Abschied nehmen, die im Laufe der Jahre verstorben sind.

Im Jahr 2001 zog ich nach Horn-Bad Meinberg. Dort übernahm ich das Kartoffelhaus. Eigentlich wollte ich dort auch wieder Fußball spielen, entschied mich dann aber für eine Trainertätigkeit in Lage.

Bis 2008 führte ich das Kartoffelhaus. Anschließend wechselte ich in die Friedenseiche in Lage, mitten in der Fußgängerzone. Dort blieb ich bis 2015.

Schon damals sagte ich oft: „Wenn ich irgendwann wieder mehr Ruhe habe, komme ich nach Bad Salzuflen zurück.“

Diesen Plan setzte ich 2015 um und eröffnete das Wirtshaus Lohhof in Schötmar. Wieder folgten viele schöne Jahre mit Feiern, Veranstaltungen und zahlreichen Gästen.

Ende 2025 war schließlich Schluss. Meine Frau war gesundheitlich angeschlagen, und auch ich merkte, dass die Zeit gekommen war, kürzerzutreten.

Eigentlich hatte ich immer ein Ziel: 50 Jahre Kneiper zu sein. Dieses Ziel habe ich knapp verfehlt. Doch viele Freunde sagen heute zu mir:

„Kurt, du hast dein ganzes Leben geschuftet. Mach einfach zwei Jahre Urlaub – dann hast du die 50 Jahre auch voll.“

Vielleicht haben sie sogar recht.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich 48 Jahre voller Arbeit, Freude, Freundschaften und Geschichten. Genau diese Geschichten möchte ich in diesem Buch erzählen. Denn hinter jedem meiner Lokale verbergen sich besondere Erlebnisse, lustige Begebenheiten, bewegende Schicksale und Menschen, die mein Leben geprägt haben.

Dies ist die Geschichte eines gnadenlosen Kneipers – und sie ist noch lange nicht zu Ende.