Ein unvergessliches Erlebnis auf Barbados (1980)
Im Jahr 1980 verbrachte ich mit meiner Frau Barbara und einem befreundeten Ehepaar einen Urlaub auf Barbados in der Karibik.
Eines Tages mietete ich mir einen Katamaran und segelte hinaus aufs Meer. Anfangs war alles wunderbar, doch plötzlich geriet ich in Schwierigkeiten. Der Wind und die Strömung machten es unmöglich, wieder zur Küste zurückzukehren. Schließlich stieg ich ins Wasser, um das Boot zu schieben, aber auch das half nicht. Die Angst wurde immer größer.
Während wir auf dem Meer trieben, informierte mein Freund Wolfgang die Seenotretter über unsere Lage. Nach etwa fünf langen Stunden wurden wir schließlich von den Rettungskräften entdeckt. Zu unserer großen Erleichterung brachten sie uns wohlbehalten zurück an Land.
Die Freude über die Rettung war riesig. Am Abend feierten wir gemeinsam an der Karibikküste – zusammen mit einigen der Rettungskräfte, die uns geholfen hatten. Es wurde ein fröhlicher und unvergesslicher Abend, den wir bis heute in bester Erinnerung behalten haben.
Ein nasskalter Oktobertag im Jahr 1957
Manche Erinnerungen verblassen mit den Jahren. Andere bleiben so lebendig, als wären sie erst gestern geschehen. Zu diesen Erinnerungen gehört für mich ein nasskalter Oktobertag im Jahr 1957.
Mein Bruder Erich und ich verbrachten damals viele Nachmittage auf einem Bauernhof in der Bahnhofstraße. Dort trafen sich die Kinder aus der Nachbarschaft zum Spielen. Unsere Wohnung lag etwas zurückgesetzt in einem alten Backsteinhaus zwischen einer Möbelfabrik und der Badeanstalt, nur wenige Schritte von der Bega entfernt. Die Straße hieß Am Begakamp.
An der Ecke zur Bahnhofstraße stand ein kleiner Kiosk – ein richtiger Tante-Emma-Laden. Dort trafen sich nach Feierabend die Arbeiter der umliegenden Betriebe auf ein Bier und ein Gespräch. Gegenüber befand sich die Eisenwarenfirma Osswald K., damals eine der größten Firmen der Gegend. Etwa dreihundert Meter weiter lag der Bahnhof. Neben dem Kiosk führte ein Weg über die Wewelsburg zur Hermannstraße. Direkt gegenüber befand sich ein Bahnübergang mit Schranken.
An jenem Oktobertag war mein Bruder bereits nach Hause gegangen. Ich blieb noch eine Weile auf dem Bauernhof. Als ich schließlich aufbrach, wollte ich zum Kiosk gehen, wo mein Vater Karl-Heinz auf mich wartete.
Gerade als ich den Hof verlassen hatte, kam ein Mann auf einem Fahrrad vorbei. Er hielt an und fragte freundlich:
„Wo willst du hin?“
Ich zeigte in Richtung Kiosk.
„Dahinten hin.“
„Dann steig auf, ich bringe dich hin.“
Für mich klang das selbstverständlich. Ohne nachzudenken setzte ich mich auf den Gepäckträger.
Zunächst schien alles normal. Doch als wir die Höhe des Kiosks erreichten, wurde ich unruhig.
„Hier musst du anhalten“, sagte ich.
Der Mann reagierte nicht.
Statt langsamer zu werden, fuhr er weiter.
Mit jedem Meter entfernten wir uns von dem Ort, an den ich wollte. Als wir uns dem Bahnhof näherten, breitete sich ein Gefühl in mir aus, das ich bis heute nicht vergessen habe. Angst.
Ich versuchte vom Fahrrad zu springen. Zunächst gelang es mir nicht. Dann verlor der Mann die Kontrolle, stürzte, und ich nutzte den Augenblick. Ich sprang auf und rannte.
So schnell ich konnte lief ich zurück. Hinter mir hörte ich den Radfahrer. Als ich den Bahnübergang erreichte, waren die Schranken bereits geschlossen. Ein Güterzug näherte sich.
Ich zwängte mich seitlich an der Schranke vorbei und rannte weiter, ohne zurückzusehen. Mein Herz schlug bis zum Hals. Alles, was ich wollte, war nach Hause.
Als ich unser Backsteinhaus erreichte, wagte ich einen Blick zurück. Der Mann war noch immer zu sehen, vielleicht zweihundert Meter entfernt.
Ich stürmte die Treppen hinauf. Zwei Etagen. Doch die Wohnungstür war verschlossen.
Panik ergriff mich.
Also rannte ich weiter nach oben, hinauf auf den Dachboden. Dort stand ein alter Schrank. Ich kroch hinein und versteckte mich.
Irgendwann hörte ich Schritte. Für mich stand fest: Der Mann hatte mich gefunden.
Ich hielt den Atem an. Kein Laut durfte mich verraten.
Dann wurde es still.
Wie lange ich dort saß, weiß ich nicht mehr. Für ein Kind können Minuten wie Stunden sein und Stunden wie eine Ewigkeit. Die Angst war mein ständiger Begleiter.
Erst viele Stunden später hörte mein Großvater August ein leises Wimmern. Er kam auf den Dachboden und entdeckte mich in meinem Versteck.
Als er die Schranktür öffnete, fiel die ganze Anspannung von mir ab. Ich zitterte vor Erleichterung und Freude. Endlich war ich in Sicherheit.
Viele Jahre später erzählte mir mein Vater etwas, das mich erneut erschütterte. Zur damaligen Zeit war in der nahegelegenen Badeanstalt ein totes Kind gefunden worden.
Ob es einen Zusammenhang gab, werde ich nie erfahren. Doch die Erinnerung an jenen Tag blieb.
Die Angst, das Rennen über den Bahnübergang, das Versteck auf dem Dachboden und die Erleichterung, als mein Großvater mich fand – all das hat sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt.
Mehr als ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen.
Vergessen werde ich diesen Tag niemals.
Die Einschulung
Die ersten Schuljahre
Wir zogen dann in ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen in der Elkenbrede um. Das Haus lag direkt gegenüber der Schule West. Dort hatten wir wenigstens ein Kinderzimmer, und meine Brüder Erich, Norbert, Willi und ich hatten endlich eigene Schlafmöglichkeiten. Für damalige Verhältnisse war das schon ein großer Fortschritt.
Zwar lag das Haus an einer Hauptstraße, doch der Schulweg war denkbar kurz: Wir mussten nur die Straße überqueren, um zur Schule zu gelangen.
Der Tag der Einschulung rückte immer näher. Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukommen würde. Unsere Mutter Elli hatte mit uns vier Jungen alle Hände voll zu tun, doch wir haben sie niemals klagen gehört. Mit viel Geduld und Fürsorge kümmerte sie sich um die Familie. Unser Vater arbeitete als Klempner und Installateur und sorgte mit harter Arbeit für unseren Lebensunterhalt.
Im April 1958 wurden mein Zwillingsbruder und ich in die Schule West eingeschult. Die Einschulung selbst war noch eine fröhliche und aufregende Angelegenheit. Doch die folgenden Tage, Wochen und Monate waren deutlich anstrengender. Der Ernst des Lebens hatte begonnen.
In der Schule standen Ordnung und Disziplin an erster Stelle. Die Lehrer duldeten kaum Widerspruch, und wir mussten uns an viele Regeln gewöhnen. Die Lernstunden waren oft lang und fordernd. Außerdem blieb uns deutlich weniger Freizeit als früher. Besonders schmerzte uns, dass wir nicht mehr so oft Fußball spielen konnten.
Inzwischen hatte unser Vater eine Stelle bei den Stadtwerken gefunden. Dadurch verbesserte sich unsere Situation etwas, und wir zogen in eine größere Wohnung auf einem städtischen Gelände um. Dort lebten wir viele Jahre. Nach und nach kamen auch unsere Brüder Norbert und Willi ins schulpflichtige Alter.
In dieser Zeit wurde unsere Familie noch größer: Unsere Schwester Petra kam zur Welt. Mit ihr begann ein neuer Abschnitt in unserem Familienleben. Aus den vier Jungen waren nun vier Brüder und eine kleine Schwester geworden.
Auf diesem städtischen Gelände verbrachten wir viele Jahre unserer Kindheit und Jugend. Es war die Welt, in der wir aufwuchsen, Freundschaften schlossen, spielten, lernten und die Erinnerungen sammelten, die uns bis heute begleiten.
Der schwerste Abschied
Dann geschah etwas, das unser Leben für immer verändern sollte.
Unser Enkel Janne war noch ein kleines Kind. Bei einer Routineuntersuchung wurde festgestellt, dass er einen Gehirntumor hatte. Die Diagnose traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Janne war damals erst viereinhalb Jahre alt.
Von diesem Tag an bestimmte die Krankheit unser Leben. Meine Tochter Britta, ihr Mann Frank und wir als Oma und Opa versuchten alles, was in unserer Macht stand. Wir hofften, beteten und klammerten uns an jeden kleinen Fortschritt. Janne wurde in Kliniken behandelt, unter anderem bei Spezialisten in Hannover. Er wurde operiert, erhielt die bestmögliche medizinische Betreuung, doch die Krankheit war stärker.
Mit der Zeit verschlechterte sich sein Zustand immer mehr. Es gab Phasen, in denen er ins Koma fiel. Jeder neue Tag brachte Sorgen und Ängste mit sich. Dennoch blieb die Hoffnung bis zuletzt.
Doch alle Bemühungen konnten sein Schicksal nicht wenden. Im November 2009 mussten wir von unserem geliebten Janne Abschied nehmen.
Kein Großvater und keine Großmutter sollten ein Enkelkind zu Grabe tragen müssen. Der Schmerz über seinen Verlust begleitet uns bis heute. Die Jahre sind vergangen, doch Janne lebt in unseren Erinnerungen und in unseren Herzen weiter.
Nach seinem Tod blieb uns ein Gedicht, das uns bis heute Trost spendet:
Wenn ihr in den Himmel seht in der Nacht,
habe ich es mir dort oben gemütlich gemacht.
Ihr könnt mich nicht sehen, dafür bin ich zu fern,
doch ich sehe euch hier von meinem Stern.
Und wenn ihr euch fragt, wo mag er wohl sein,
so habt keine Angst, ich bin nicht allein.
Ich kann hier barfuß auf Wolken gehen,
den Regenbogen und die Sterne sehen.
Und manchmal lasse ich mich hin und wieder
bei anderen Engelskinder nieder.
Und wenn ihr mich doch so sehr vermisst
und weint, weil alles, was war, nicht mehr ist,
dann denkt: Im Himmel, wo es mich jetzt umgibt,
erzähle ich von euch, dass ihr mich liebt.
Euer Janne
Dieses Gedicht berührt uns noch heute. Es erinnert uns daran, dass die Liebe zu einem Menschen nicht mit seinem Tod endet. Janne ist nicht mehr bei uns, aber er hat einen festen Platz in unseren Herzen. Dort wird er für immer weiterleben.
Dieses Kapitel könnte in deinen Lebenserinnerungen den Titel „Der schwerste Abschied“ oder „Janne – für immer in unseren Herzen“ tragen.
Ein sehr schönes Erinnerungsfoto zu Ihrem besonderen Tag. Man sieht Sie beide in einer eleganten Pferdekutsche in Palma, festlich in hellen Farben gekleidet und offensichtlich voller Freude über diesen gemeinsamen Anlass.
Für Ihre Lebenserinnerungen oder als Bildunterschrift könnte der Text so lauten:
Kutschfahrt zum 55. Hochzeitstag in Palma
Am 19. März feierten wir unseren 55. Hochzeitstag auf besondere Weise. Bei strahlendem Wetter genossen wir eine romantische Kutschfahrt durch die Straßen von Palma. Während die Pferde uns gemächlich durch die Stadt zogen, erinnerten wir uns an die vielen gemeinsamen Jahre voller Erlebnisse, Herausforderungen und glücklicher Momente. Dieser Tag wird uns als wunderschöne Erinnerung an unsere lange gemeinsame Reise durchs Leben in Erinnerung bleiben.
Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu Ihrem 55. Hochzeitstag – ein bemerkenswertes Jubiläum.
Der Beruf fürs Leben
Als mein Zwillingsbruder Erich und ich im März 1966 die Volksschule West verließen, standen wir vor der Frage, die sich damals viele Jugendliche stellen mussten: Welchen Beruf sollten wir erlernen? Eine wirkliche Wahl hatten wir allerdings nicht. Unser Vater arbeitete als Klempner und Installateur und vermittelte uns beiden Lehrstellen in einem entsprechenden Handwerksbetrieb.
Unsere eigenen Vorstellungen sahen ganz anders aus. Am liebsten wären wir Fußballprofis geworden. Doch über solche Träume entschieden damals meist die Eltern und die Lebensumstände. Also begann für uns eine Ausbildung, die sich schnell als harte Bewährungsprobe herausstellte.
Schon nach wenigen Wochen merkten wir, dass uns der Beruf nicht wirklich lag. Die Lehrzeit dauerte dreieinhalb Jahre. Wir arbeiteten sechs Tage in der Woche, oft zehn Stunden am Tag. Freizeit war knapp, und vom Fußball blieb nicht viel übrig. Dennoch hielten wir durch. Nach dreieinhalb Jahren legten wir unsere Gesellenprüfung ab, die sich über mehrere Wochen erstreckte. Am Ende bestanden wir beide mit der Note Drei.
Unser Ausbildungsbetrieb, den ich hier „Braka“ nennen möchte, übernahm uns anschließend als Gesellen. Damit begann ein neuer Lebensabschnitt. Endlich konnten wir wieder regelmäßiger Fußball spielen. Ich wechselte zu einem anderen Verein, während mein Bruder bei „Post“ blieb.
In dieser Zeit lernte ich auch meine spätere Frau Barbara kennen. Wir heirateten, bekamen unsere erste Tochter und zogen in unsere erste gemeinsame Wohnung. Das Familienleben nahm seinen Lauf. Barbara arbeitete als Friseurin, ich weiterhin als Installateur. Morgens brachten wir unsere Tochter zur Oma, abends holten wir sie wieder ab. So organisierten wir unseren Alltag, wie es viele junge Familien damals taten.
Doch im Sommer 1977 sollte sich mein Leben grundlegend verändern.
Inzwischen spielte ich wieder gemeinsam mit meinem Bruder Fußball, diesmal bei einem Verein, den ich hier „SVWA“ nennen möchte. Nach den Spielen trafen wir uns häufig in unserer Vereinskneipe „Zum Isembecker“ in der Weller Straße.
Eines Tages im Juli 1977 kam ich wie gewohnt in die Gaststätte. Zu meiner Überraschung war niemand zu sehen. Ich rief mehrmals nach dem Wirt:
„Günther! Günther!“
Doch es kam keine Antwort.
Schließlich ging ich hinter die Theke. Dort lag Günther auf dem Boden. Sofort alarmierte ich einen Krankenwagen. Inzwischen war auch der Hauseigentümer, Herr Bollhorst, eingetroffen. Die Sanitäter stellten fest, dass Günther stark betrunken war.
Herr Bollhorst war außer sich vor Wut.
„Den schmeiße ich raus!“, sagte er.
In diesem Moment kam mir ein spontaner Gedanke.
„Kann ich die Kneipe vorübergehend übernehmen?“, fragte ich.
„Ja, klar“, antwortete er ohne langes Zögern.
Damals ahnte ich noch nicht, welche Folgen diese kurze Unterhaltung haben würde. Doch genau in diesem Augenblick nahm mein berufliches Leben eine völlig neue Richtung.
Am 21. September 1977 wurde ich Gastronom.
Aus der ursprünglich nur vorübergehenden Lösung wurde mein Beruf fürs Leben. Insgesamt war ich 48 Jahre lang in der Gastronomie tätig. Was daraus alles entstand, ist eine Geschichte für sich – und davon werde ich später noch erzählen.
Die etwas andere Hochzeit
Manchmal braucht es keine langen Jahre, um zu wissen, dass man den richtigen Menschen gefunden hat. Als ich Barbara kennenlernte, ahnte ich nicht, dass wir nur fünf Monate später vor dem Traualtar stehen würden. Doch genau so kam es. Am 19. März 1971 beschlossen wir, gemeinsam den Bund fürs Leben zu schließen – und zwar an nur einem einzigen Tag mit standesamtlicher und kirchlicher Trauung.
Der Tag begann im historischen Rathaus von Bad Salzuflen. Dort fand unsere standesamtliche Trauung statt. Für mich war das alles noch etwas ungewöhnlich, denn ich war gerade erst 20 Jahre alt geworden. Nach den damaligen Gesetzen galt man erst mit 21 Jahren als volljährig. Deshalb benötigte ich die Zustimmung meiner Eltern, während Barbara mit ihren 18 Jahren bereits volljährig war und selbst entscheiden konnte.
Vor der Hochzeit musste ich einige Hürden überwinden. Die Behörden prüften damals sehr genau, ob ein junger Mann überhaupt in der Lage war, eine Familie zu ernähren. Es wurde nach meiner Wohnsituation gefragt, nach meiner Arbeit und nach meinen Zukunftsplänen. Meine Eltern mussten sogar für mich bürgen. Erst danach erhielt ich die notwendige Genehmigung zur Eheschließung. Heute ist das kaum noch vorstellbar, aber Anfang der 1970er-Jahre war das ganz normal.
Auch mit der Kirche gab es Schwierigkeiten. Ich war katholisch erzogen worden. Meine Mutter Eleonore war eine tiefgläubige Katholikin und legte großen Wert darauf, dass ihre Kinder nach den Regeln der Kirche aufwuchsen. Mein Zwillingsbruder Erich und ich wurden sogar Messdiener. Doch unsere große Leidenschaft war der Fußball. Fast jeden Sonntagmorgen standen wir auf dem Fußballplatz, während gleichzeitig der Gottesdienst stattfand. Das führte immer wieder zu Konflikten.
Als die Hochzeit näher rückte, entschied ich mich bewusst gegen eine katholische Trauung. Das gefiel nicht jedem, und es gab einige Diskussionen. Die notwendigen Unterlagen zu erhalten, war nicht einfach. Doch ich blieb bei meiner Entscheidung. Barbara und ich wollten unseren eigenen Weg gehen.
So heirateten wir schließlich im März 1971 in einer wunderschönen evangelischen Kirche in Bad Salzuflen. Für uns war es eine Traumhochzeit. Familie, Freunde und Verwandte begleiteten uns an diesem besonderen Tag und machten ihn unvergesslich.
Anschließend wurde im Gasthaus Romberg gefeiert. Dieser Ort hatte für unsere Familie eine ganz besondere Bedeutung. Fast genau zwanzig Jahre zuvor, am 1. Dezember 1950, hatten dort bereits meine Eltern Karl-Heinz und Eleonore ihre Hochzeitsfeier ausgerichtet. Nun schloss sich auf wunderbare Weise ein Kreis: Dort, wo ihre gemeinsame Geschichte gefeiert worden war, begann nun auch offiziell die von Barbara und mir.
Es wurde gelacht, getanzt und bis spät in die Nacht gefeiert. Die Stimmung war ausgelassen, und wir hatten mit unseren Gästen viel Freude. Wenn ich heute auf diesen Tag zurückblicke, denke ich nicht an die bürokratischen Hürden oder die Diskussionen mit der Kirche. Ich erinnere mich an das Glück, Barbara an meiner Seite zu haben, an die vielen lieben Menschen um uns herum und an den Beginn einer Ehe, die viele Jahrzehnte überdauern sollte.
Der 19. März 1971 war nicht nur unser Hochzeitstag. Er war der Anfang eines gemeinsamen Lebensweges, der bis heute andauert
Die versuchte Entführung
Im Juni 1976 reisten wir mit unserer fünfjährigen Tochter Tanja auf die griechische Insel Rhodos. Es sollte ein wunderschöner Familienurlaub werden – voller Sonne, Meer und unbeschwerter Stunden. Doch zwei Ereignisse sollten sich für immer in unser Gedächtnis einbrennen.
Die ersten Urlaubstage verliefen traumhaft. Wir wohnten in einem schönen Hotel direkt am Strand und wurden bestens versorgt. Abends saßen wir oft bei griechischer Musik, einem Glas Wein und Mondschein im Biergarten des Hotels. Es waren jene Augenblicke, die man sich als Familie wünscht und die man nie vergessen möchte.
Tanja fand schnell eine gleichaltrige Freundin. Die beiden spielten stundenlang am Strand, während wir uns mit deren Eltern und Großeltern unterhielten. Schon nach wenigen Tagen waren wir mit der Familie freundschaftlich verbunden.
Eines Tages unternahmen wir eine Bootsfahrt zur Insel Symi. Dort besuchten wir das berühmte Kloster Panormitis. Während wir die Anlage besichtigten, geschah plötzlich etwas, das uns den Atem stocken ließ.
Für einen kurzen Moment verlor meine Frau Tanja aus den Augen. Als ich mich umsah, bemerkte ich einen bärtigen Mann, der unsere Tochter an der Hand hielt und sich hastig von der Menschenmenge entfernte. Noch heute weiß ich nicht, was mich in diesem Augenblick antrieb. Instinktiv begann ich zu rennen. Ohne nachzudenken sprintete ich hinter dem Mann her.
Zum Glück gelang es mir, ihn rechtzeitig einzuholen und zu stoppen. Tanja war verängstigt, aber unverletzt. Wir brachten sie sofort zurück zum Schiff und hielten sie bis zur Abfahrt in unserer Nähe. Auch das Personal reagierte aufmerksam und unterstützte uns. Was die Absichten des Mannes wirklich waren, werden wir nie erfahren. Für uns fühlte es sich jedoch wie der Versuch an, unsere Tochter zu entführen.
Der Schock saß tief und begleitete uns während des restlichen Urlaubs.
Doch das Schicksal hatte noch eine weitere Prüfung für uns bereit.
Am vorletzten Urlaubstag hatte die Familie unserer neuen Bekannten eine Inselrundfahrt mit dem Bus gebucht. Am Abend zuvor sprach mich der Vater an. Er hatte für den nächsten Tag zusätzlich einen Kleinbus gemietet und fragte, ob Tanja mitfahren dürfe.
Normalerweise hätten wir vielleicht zugestimmt. Doch die Ereignisse am Kloster gingen mir noch immer durch den Kopf. Irgendetwas hielt mich davon ab, unsere Tochter mitfahren zu lassen. Ich lehnte freundlich ab.
Am nächsten Tag erfuhren wir die schreckliche Nachricht.
Der Bus war auf einer Serpentinenstraße verunglückt und in einer steilen Abfahrt abgestürzt. Die Folgen waren verheerend. Die Eltern, ihre kleine Tochter und der Großvater kamen ums Leben. Nur die Großmutter überlebte das Unglück.
Als wir davon hörten, waren wir wie gelähmt. Noch kurz zuvor hatten wir gemeinsam am Strand gesessen, gelacht und über unsere Familien gesprochen. Nun war fast die gesamte Familie ausgelöscht.
Bis heute denke ich manchmal daran zurück. Hätte ich anders entschieden, wäre vielleicht auch unsere Tochter in diesem Bus gewesen. Dieser Gedanke lässt mich noch immer erschauern.
Die versuchte Entführung und das tragische Busunglück innerhalb weniger Tage machten diesen Urlaub zu einem der prägendsten Erlebnisse unseres Lebens. Was als unbeschwerte Reise begann, wurde zu einer Erinnerung, die wir niemals vergessen werden.
Wie meine Frau Schützenkönigin wurde
Es war das Jahr 1989. In Balsen feierten wir wieder unser Schützenfest. Zu dieser Zeit war ich bereits seit mehr als zwanzig Jahren Mitglied im Schützenverein. Jahr für Jahr marschierte ich als einfacher Schütze in den hinteren Reihen mit.
Eines Tages kamen der Oberst und der Vorsitzende auf mich zu. Sie meinten, es sei nun an der Zeit, dass ich einmal Schützenkönig werden sollte. Schließlich hatte ich das bekannte Gasthaus übernommen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1571 zurückreicht und das im Ort vielen Menschen bekannt war.
Doch ich selbst wollte eigentlich nicht König werden. Stattdessen machte ich einen ungewöhnlichen Vorschlag: Meine Frau sollte Königin werden.
So etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben. Zum ersten Mal stand die Königin bereits fest, bevor überhaupt ein König feststand. Meine Frau erklärte sich bereit, und so begann für uns ein ganz besonderes Jahr.
Wir feierten viele schöne Feste, veranstalteten wunderbare Partys und genossen die gemeinsame Zeit. Besonders gern erinnere ich mich daran, wie meine Frau zu den verschiedenen Anlässen immer wieder neue, elegante Kleider trug. Sie sah jedes Mal großartig aus.
Dass alles so gekommen ist, verdanke ich auch meinem Zwillingsbruder Erich. Er hatte großen Anteil daran, dass ich mich schließlich doch auf dieses Abenteuer eingelassen habe. Wir hatten viele Jahre gemeinsam Fußball gespielt und vieles zusammen erlebt. Natürlich war die Entscheidung nicht ganz einfach, aber am Ende hat alles wunderbar geklappt.
So wurde ich schließlich der erste – und soweit ich weiß bis heute einzige – Schütze in der langen Geschichte unseres Vereins, der seine Frau zur Schützenkönigin gemacht hat und meinen Bruder Erich zum König
Es war ein besonderes Jahr, an das ich mich bis heute gerne erinnere.
Mein erster Feuerwehreinsatz – und beinahe eine Katastrophe
Ich war damals gerade 18 Jahre alt und erst seit sechs Wochen verheiratet. Weil mein Schwager bereits bei der Feuerwehr war, trat auch ich der Freiwilligen Feuerwehr bei. Es dauerte nicht lange, bis mein erster Einsatz kam – ein Erlebnis, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde.
Es war Sonntag, der 2. Mai 1971. Meine Frau und ich spazierten gemütlich durch Bad Salzuflen. Wir wollten ein Eis essen und den Nachmittag genießen. Plötzlich heulte die Sirene. Obwohl ich noch nie einen Einsatz mitgemacht hatte, wusste ich sofort, was zu tun war. Ich verabschiedete mich von meiner Frau und rannte zur Feuerwache in der Beetstraße.
Dort herrschte bereits hektisches Treiben. Wir waren noch dabei, unsere Uniformen anzuziehen, als unser Fahrer Hermann schon hinter dem Steuer saß. Kaum waren die letzten Kameraden aufgesprungen, gab er Vollgas. Die Sirenen heulten, das Blaulicht blinkte – und wir schossen los.
Schon in der ersten Rechtskurve standen wir beinahe auf zwei Rädern. Mir wurde sofort mulmig. Ich dachte nur: Hoffentlich geht das gut. Meine Frau war damals mit unserem ersten Kind schwanger, und plötzlich schoss mir durch den Kopf, dass ich vielleicht gar nicht mehr nach Hause kommen könnte.
Mit hoher Geschwindigkeit rasten wir weiter durch die Stadt. Erst später wurde mir bewusst, warum unser Fahrer so unkontrolliert fuhr. Am Vormittag waren wir zum 50. Geburtstag unseres Brandmeisters Paul eingeladen gewesen. Beim Frühschoppen war reichlich Alkohol getrunken worden. Ich selbst hielt mich zurück, weil ich Fußball spielte. Hermann jedoch hatte deutlich zu viel getrunken – und trotzdem saß er nun am Steuer unseres Feuerwehrfahrzeugs.
Wir konnten nichts mehr ändern. Er war einfach als Erster eingestiegen und sofort losgefahren.
Als wir uns der großen Kreuzung in der Innenstadt näherten, wurde mir klar, dass das niemals gut ausgehen konnte. Es war Sonntag, die Straßen waren voller Autos und Menschen. Hermann bremste viel zu spät.
Dann krachte es.
Wir rammten mehrere Autos, schleuderten über die Kreuzung und rutschten schließlich seitlich direkt in die Eingangstür einer Kneipe. Das Feuerwehrfahrzeug bohrte sich regelrecht in das Gebäude. Überall wurde geschrien. Menschen liefen durcheinander. Das Fahrzeug war völlig zerstört.
Ich selbst hing halb aus dem Fenster und wusste zunächst gar nicht, was passiert war.
Zum Glück befand sich die Rettungswache nur etwa 100 Meter entfernt. Innerhalb weniger Minuten waren Sanitäter und Ärzte vor Ort und versorgten uns. Trotz des großen Chaos hatten wir unheimliches Glück. Es hätte noch viel schlimmer ausgehen können.
Wir wurden in das Krankenhaus Hoffmannstift gebracht. Am schwersten verletzt war unser Brandmeister Paul. Er erlitt schwere Kopfverletzungen sowie Brüche an Arm und Bein. Die übrigen Kameraden kamen mit Prellungen und anderen Verletzungen davon. Nach einigen Tagen konnten wir das Krankenhaus wieder verlassen.
Natürlich fragten wir uns alle, was nun mit Hermann passieren würde. Wir waren überzeugt, dass ihm der Führerschein entzogen würde und er wegen seiner Alkoholisierung große Schwierigkeiten bekommen müsste.
Doch erstaunlicherweise geschah fast nichts.
Er musste nicht einmal eine Blutprobe abgeben. Soweit wir erfuhren, hatte der Unfall für ihn keinerlei rechtliche Folgen. Heute wäre das wohl kaum noch vorstellbar.
Am Abend saßen unsere Familien zu Hause vor dem Fernseher und sahen die Nachrichtensendung „Hier und heute“. Dort wurde tatsächlich über unseren Unfall berichtet. Die Schlagzeile lautete sinngemäß:
„Bad Salzuflen – Feuerwehr rast in Kneipe.“
Im ersten Moment konnten wir darüber kaum glauben, was wir hörten. Später mussten wir trotz allem darüber schmunzeln.
Besonders verrückt war, dass der eigentliche Einsatz kaum der Rede wert gewesen wäre. Am Obernberg hatte lediglich ein kleiner Schuppen gebrannt. Das Feuer war bereits gelöscht, als andere Einsatzkräfte dort eintrafen.
Unser spektakulärer Unfall sorgte am Ende für weit mehr Aufsehen als der Brand selbst.
Wenn ich heute, viele Jahrzehnte später, an diesen Tag zurückdenke, wird mir immer noch bewusst, wie viel Glück wir damals hatten. Es hätte Tote geben können – unter den Feuerwehrleuten, den Autofahrern oder den Passanten in der Innenstadt.
Es war mein erster Feuerwehreinsatz – und zugleich der schlimmste, den ich je erlebt habe.
Doch bei der Feuerwehr habe ich noch viele weitere Geschichten erlebt. Auch die werde ich eines Tages erzählen.
Der Diebstahl und der Einbruch
Es war im Sommer 2010. Wie fast jeden Tag ging ich zur Sparkasse, um die Tages- oder Wocheneinnahmen meiner Gaststätte einzuzahlen. Als ich die Filiale betrat, war sie fast leer. Nur eine Frau stand an einem Einzahlungsautomaten.
Ich legte mein Portemonnaie auf die Ablage vor dem Automaten. Das Bargeld – rund 2.000 Euro – hatte ich wie immer in meiner Hosentasche. Ich zahlte das Geld ein und wollte anschließend mein Portemonnaie wieder an mich nehmen.
Doch es war verschwunden.
Direkt neben der Stelle, an der mein Portemonnaie gelegen hatte, stand ein Einkaufskorb mit einem Tuch darüber. Daneben stand die Frau, die ich schon beim Betreten der Sparkasse gesehen hatte.
Ich fragte sie direkt:
„Haben Sie mein Portemonnaie eingesteckt?“
Empört antwortete sie:
„Sind Sie verrückt?“
Ich sagte:
„Ja, wo ist es denn geblieben? Ich habe es doch genau hier hingelegt.“
Als ich das Tuch vom Korb anheben wollte, schlug sie mir auf die Finger und schrie, sie würde sofort die Polizei rufen.
„Die hole ich gleich selbst“, antwortete ich.
Sie nahm ihre Tasche und verließ hastig die Sparkasse. Ich ging noch ein Stück hinterher und rief ihr ein paar nicht ganz freundliche Worte nach. Doch sie wurde immer schneller und verschwand.
Zum Glück hatte ich die 2.000 Euro noch in der Hosentasche gehabt. Im gestohlenen Portemonnaie befanden sich nur etwa 80 Euro, meine Bankkarte und einige Ausweise.
Ich ging zur Sparkassenangestellten und fragte, ob man sich die Aufnahmen der Überwachungskameras ansehen könne. Sie erklärte mir, dass sie mir die Bilder aus Datenschutzgründen nicht zeigen dürfe. Das könne nur die Polizei.
Also ging ich die etwa 200 Meter zur Polizeiwache und erstattete Anzeige.
Der Polizeibeamte fragte mich:
„Was fehlt denn alles?“
Ich antwortete als Erstes:
„Meine Mitgliedskarte vom Schalke 04.“
Er grinste und sagte:
„Oh, das ist aber schlimm.“
Dann erzählte ich ihm vom restlichen Inhalt des Portemonnaies und vom Ablauf des Diebstahls.
Der Beamte hieß Michael – für mich einfach „Michi“. Ausgerechnet er wurde später einer meiner besten Freunde.
Ein paar Wochen später hatte ich erneut Bekanntschaft mit der Polizei.
Es war nachts gegen halb zwei. Ich hatte in meiner Gaststätte „Friedenseiche“ gearbeitet, mit Gästen zusammengesessen und auch das eine oder andere Bier getrunken. Da meine Frau noch im Lokal war, ging ich allein nach Hause. Unsere Wohnung lag nur etwa 500 Meter entfernt in der Schulstraße.
Zu Hause legte ich mich auf die Couch und schlief sofort ein.
Plötzlich wurde ich wach.
Vor mir standen mehrere Polizeibeamte.
„Was ist denn los?“, fragte ich völlig verschlafen.
„Hier wurde eingebrochen.“
Ich konnte es kaum glauben.
Die Täter hatten das kleine Toilettenfenster aufgebrochen, waren dadurch ins Haus eingestiegen und hatten mich auf der Couch einfach schlafen lassen. Erst die Polizei hatte mich geweckt.
Meine Frau wurde ebenfalls nach Hause gerufen. Die Beamten nahmen alles auf und stellten fest, was fehlte.
Sogar mein privates Portemonnaie hatten die Einbrecher mir unbemerkt aus der Hosentasche gezogen. Das muss ein sehr schmaler Täter gewesen sein, denn das Toilettenfenster war wirklich nicht groß.
Und wer erschien natürlich wieder am Tatort?
Na klar – Michi.
Da mussten wir beide trotz der unangenehmen Situation schon ein wenig schmunzeln.
Später stellte sich heraus, dass die Frau aus der Sparkasse bereits wegen mehrerer Diebstähle polizeibekannt war. Sie wurde erkannt. Wegen eines anderen, wesentlich größeren Strafverfahrens wurde der Diebstahl meines Portemonnaies jedoch nicht gesondert angeklagt.
Die Einbrecher dagegen wurden nie gefunden. Nach etwa einem Vierteljahr stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.
So verliefen meine ersten beiden Begegnungen mit der Polizei in Lage – erst als Opfer eines Diebstahls und kurze Zeit später als Opfer eines Einbruchs.
Zum Glück blieb es bei dem materiellen Schaden. Aber Geschichten, die schreibt eben nur das Leben.
Der Tag, der mein Leben veränderte
Es war das Jahr 1982. Der 17. Dezember sollte mein Leben für immer verändern. An diesem Tag wurde ich in Hannover an der Wirbelsäule operiert. Doch die Geschichte beginnt schon viel früher.
Wie ich bereits erzählt habe, arbeitete ich als Installateur auf dem Bau. Es war eine körperlich äußerst schwere Arbeit, die meinen Rücken Tag für Tag stark belastete. Gleichzeitig spielte ich Fußball in der Landesliga. Mehrmals in der Woche wurde hart trainiert, und auch die Spiele verlangten meinem Körper alles ab.
Mit der Zeit machten sich immer stärkere Rückenschmerzen bemerkbar. Monate vor der Operation konnte ich oft kaum noch richtig laufen. Unser Trainer, den ich hier einfach einmal „Fritze“ nennen möchte, sagte häufig zu mir:
„Kurt, du brauchst nicht mehr zu trainieren. Komm einfach nur noch zu den Spielen.“
Doch auch das änderte nichts daran, dass ich tagsüber weiterhin auf dem Bau arbeiten musste.
Dann kam der Tag, an dem plötzlich nichts mehr ging.
Während eines Trainerlehrgangs in Kaiserau geschah das Unfassbare. Von einem Augenblick auf den anderen sackte ich zusammen und konnte meine Beine kaum noch bewegen. Für mich brach eine Welt zusammen.
Es folgten zahlreiche Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten und in mehreren Krankenhäusern. Schließlich stand die Diagnose fest: Ich hatte eine schwere Verletzung der Wirbelsäule. Meine Beweglichkeit war stark eingeschränkt, und an Fußball war vorerst überhaupt nicht mehr zu denken.
Damit begann die schwerste Zeit meines Lebens.
Durch meinen Hausarzt, Dr. Bettinger, bekam ich schließlich die Möglichkeit, mich von Professor Dr. Sami in Hannover operieren zu lassen. Rückblickend war das mein größtes Glück. Heute kann ich mit voller Überzeugung sagen: Professor Dr. Sami hat mir das Leben gerettet.
Die Operation dauerte mehr als sechs Stunden. Er stabilisierte meine Wirbelsäule und führte einen äußerst komplizierten Eingriff durch. Über die medizinischen Einzelheiten möchte ich gar nicht sprechen. Entscheidend ist für mich nur eines: Dieser Eingriff schenkte mir eine neue Zukunft.
Während der Operation machte ich eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, als würde sich vor mir ein Tor zum Himmel öffnen. Ich sah ein helles Licht und meinte sogar, Engel wahrzunehmen. Es war ein Gefühl von Frieden und Geborgenheit, wie es viele Menschen nach einer Nahtoderfahrung beschreiben.
Plötzlich hörte ich eine Stimme:
„Wir haben ihn wieder!“
Es war die Stimme von Professor Dr. Sami.
In diesem Moment begann für mich der Weg zurück ins Leben.
Nach der Operation verbrachte ich zunächst zwei Wochen auf der Intensivstation. Ich war sehr schwach und konnte kaum sprechen. Das Wichtigste in dieser Zeit war meine Familie. Meine Frau Barbara sowie unsere beiden Töchter Tanja und Britta – damals fünf und elf Jahre alt – besuchten mich regelmäßig. Ihre Liebe und ihre Nähe gaben mir die Kraft, weiterzukämpfen.
Insgesamt blieb ich etwa drei Wochen im Krankenhaus. Anschließend folgten sechzehn Wochen in einer Rehabilitationsklinik.
Dort begann mein zweites Leben.
Anfangs wurde ich im Rollstuhl zum Therapiebecken gefahren. Im Wasser machte ich meine ersten vorsichtigen Bewegungen. Schritt für Schritt lernte ich wieder zu gehen. Jeder kleine Fortschritt war ein Erfolg und gab mir neue Hoffnung.
Professor Dr. Sami machte mir schon vor der Operation Mut. Er erzählte mir von einem iranischen Nationalspieler, der eine ähnliche Wirbelsäulenverletzung erlitten hatte und später wieder Fußball spielen konnte. Professor Sami, der deutsch-iranischer Herkunft war, wollte mir mit dieser Geschichte zeigen, dass Hoffnung niemals verloren gehen darf.
Von diesem Tag an glaubte ich fest daran, selbst wieder auf dem Fußballplatz stehen zu können.
Nach der Reha fuhr ich gemeinsam mit meiner Frau nach Abano Terme in Italien. Dort erhielt ich sechs Wochen lang täglich Fangopackungen und weitere Anwendungen für meinen Rücken. Diese Behandlungen trugen wesentlich zu meiner Genesung bei.
Etwa eineinviertel Jahre nach der Operation konnte ich zum ersten Mal wieder vorsichtig gegen einen Fußball treten.
Bei einer Nachuntersuchung sprach Professor Dr. Sami schließlich die Worte aus, auf die ich so lange gehofft hatte:
„Sie werden bald wieder Fußball spielen können.“
Für mich war das einer der schönsten Augenblicke meines Lebens.
Ich kehrte zwar nicht mehr als Spieler in die Landesliga zurück, doch ich blieb dem Fußball treu. Ich beendete meinen Trainerschein und wurde Fußballtrainer. Auf diese Weise konnte ich meine Leidenschaft weiterleben und meine Erfahrungen an andere weitergeben.
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber den Ärzten, die mir ein zweites Leben geschenkt haben. Dankbarkeit gegenüber meiner Familie, die mich in den schwersten Wochen meines Lebens nie allein gelassen hat. Und Dankbarkeit gegenüber all den Menschen, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben.
Vor allem aber danke ich Gott dafür, dass ich diese schwere Prüfung überstanden habe und noch viele schöne Jahre mit meiner Familie erleben durfte.
Der 17. Dezember 1982 war der Tag, der mein Leben veränderte. Er nahm mir für kurze Zeit alles – und schenkte mir schließlich ein zweites Leben.
Nebenjob mit Folgen – Wie ich Herbalife kennenlernte
Der 20. Februar 1994 war ein besonderer Tag. Es war der 18. Geburtstag unserer Tochter Britta. An diesem Tag lernte ich auch ein Unternehmen kennen, das mein Leben für viele Jahre verändern sollte: Herbalife.
Mein Automatenaufsteller Dietmar Schmidt kam wie gewohnt in meine Gaststätte Anno 571. Damals waren wir noch per Sie. Er schaute mich an und sagte:
„Herr Gnade, Sie sehen jedes Mal müde und kaputt aus, wenn ich Sie treffe.“
Ich musste schmunzeln. „Das kommt von der vielen Arbeit“, antwortete ich.
„Da habe ich etwas für Sie.“
Er ging zu seinem Auto und kam mit einer großen Dose Pulver zurück.
„Trinken Sie jeden Abend vor dem Schlafengehen einen Shake davon. In einer Woche fühlen Sie sich wie neu.“
Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. So etwas konnte ich kaum glauben. Was sollte das für ein Wundermittel sein?
Doch nach einer Woche war ich selbst überrascht. Ich stand morgens voller Energie auf, obwohl ich oft erst spät ins Bett gegangen war. Die ständige Müdigkeit war verschwunden.
Ich rief Dietmar sofort an. Natürlich kam er gleich vorbei und erklärte mir ausführlich die Produkte und das Unternehmen Herbalife aus den USA.
Trotz meiner positiven Erfahrung blieb ich zunächst skeptisch. Damals dachte ich bei solchen Firmen sofort an ein Schneeballsystem. Aber eines konnte ich nicht leugnen: Mir ging es deutlich besser.
Als Dietmar dann sagte, dass man mit Herbalife auch Geld verdienen könne, wurde ich hellhörig.
Eine Woche später veranstaltete er in meiner Gaststätte ein kleines Informationsmeeting. Wir waren gerade einmal fünf Personen. Die Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen.
Bei mir entwickelte sich die Sache jedoch ganz anders.
Ich fühlte mich immer fitter und begann, die Produkte weiterzuempfehlen. Schon nach wenigen Wochen sprach sich das im Anno 571 herum. Immer mehr Gäste interessierten sich dafür.
Zusammen mit meinem Sponsor Dietmar Schmidt organisierten wir weitere Veranstaltungen. Das erste größere Meeting fand im Maritim-Hotel statt. Dort war unter anderem Markus Lehmann zugeschaltet, damals einer der erfolgreichsten Herbalife-Distributoren weltweit.
Für mich war das der eigentliche Start.
Kurze Zeit später lud mich Dietmar zu einer World-Team-Veranstaltung nach London ein. Wir flogen von Münster aus nach England. Die Tagung fand in unmittelbarer Nähe des Buckingham Palace statt.
Vier Tage lang besuchten wir Schulungen, hörten erfolgreiche Unternehmer aus vielen Ländern und knüpften zahlreiche Kontakte. Besonders beeindruckten mich die Erfolgsgeschichten von Menschen, die mit viel Fleiß und Ausdauer ihre Ziele erreicht hatten.
Abends erkundeten wir gemeinsam die Londoner Pubs. Diese Reise war für mich ein unvergessliches Erlebnis.
Zurück in Deutschland begann ich konsequent, mein eigenes Team aufzubauen. Schon bald schlossen sich die ersten Partner an.
Ein weiterer Meilenstein war eine große Veranstaltung in Köln. Dort lernte ich erstmals den bekannten Motivationstrainer Jim Rohn kennen.
Seine Worte haben mich bis heute begleitet.
Er sagte:
„Gehe nicht vor mir, denn ich weiß nicht, ob ich dir folgen kann. Gehe nicht hinter mir, denn ich weiß nicht, ob ich dich führen kann. Gehe neben mir, gib mir deine Hand und lass uns Freunde sein.“
Diese Aussage motivierte mich ungemein.
Von da an entwickelte sich alles sehr schnell.
Es folgten große Veranstaltungen und Reisen nach Mailand, Barcelona, Miami und Österreich. Der Höhepunkt war jedoch die internationale Extravaganza in Atlanta.
Im Georgia Dome, in dem ein Jahr später die Wettkämpfe der Olympischen Spiele 1996 ausgetragen wurden, versammelten sich Tausende Herbalife-Partner aus aller Welt.
Dort durfte ich selbst etwa zehn Minuten auf der Bühne sprechen. Meine Rede wurde gleichzeitig in zwölf Sprachen übersetzt – ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Zum Abschluss der Veranstaltung Sang Tina Turners ihr berühmtes Lied „Simply the Best“, das für viele Teilnehmer so etwas wie die Hymne von Herbalife war.
Damals hätte ich nie gedacht, welche Türen sich durch diesen Nebenjob noch öffnen würden.
Von den vielen Begegnungen, Reisen und Erlebnissen werde ich in den nächsten Kapiteln noch ausführlich erzählen.
